Ein Workshopangebot speziell für trans-, intergeschlechtliche und queer lebende Menschen, Leitung: Gisbert Schürig

Kosten: 15-20 € (nach Selbsteinschätzung)

Zeit:
Samstag 15. November 2014
11:00-13:00

Ort:
TransInterQueer e.V.
Glogauerstraße 19
10999 Berlin
1. OG (mit Fahrstuhl)

Anmeldung:
Robin (TriQ) – zelos@quantentunnel.de

Oberton- und Kehlgesang
…sind faszinierende Stimmtechniken, die eine Fülle spannender Entdeckungen bieten. Die Wahrnehmung auf die Obertöne zu richten ermöglicht eine enorme Verfeinerung und Bereicherung des Hörens, quasi einen mikroskopischen Blick hinein in die Innenwelt eines Tons.

Neben dem traditionellen asiatischen Kehlgesang und den meditativen oder
experimentellen Stilen europäischer Obertonsänger_innen gibt es eine Vielzahl faszinierender musikalischer Möglichkeiten zu entdecken.

Der Einstieg ist erstaunlich einfach und bedarf keiner besonderen Voraussetzungen.
Im Mittelpunkt steht die Sensibilisierung des Hörens. Davon ausgehend kann es in
verschiedene Richtungen gehen: Sei es, Obertonmelodien singen zu können oder den reichen Klang des Kehlgesangs zu beherrschen.

Oberton- und Kehlgesang im Kontext von Geschlecht und Identität
Die Stimme gilt allgemein als ein Ausdruck der Persönlichkeit. Eine nähere Beschäftigung mit dem Klang und den Möglichkeiten der eigenen Stimme bietet auch Anknüpfungspunkte zu Fragen des Selbstbildes und Rollenzuweisungen.

Für Trans*, Inters* und queere Menschen ist die Stimme innerhalb gesellschaftlicher Normen und Konstrukte auch ein von außen identitätszuweisender Aspekt, auf den man oft nur wenig Einfluss hat. Die Beschäftigung mit Oberton- und Kehlgesang vermittelt einen ganz neuen Blick auf die eigene Stimme und ihr Ausdruckspotenzial. Die verschiedenen Anteile des Stimmklanges laden zum Erforschen und Experimentieren mit dem Ausdruck der eigenen Persönlichkeit ein.

Der Klang eines einzelnen Obertons wirkt eher unpersönlich, da sich der spezifische Stimmklang erst aus der Kombination der Obertöne ergibt. So kann der Obertongesang auch als eine Maske fungieren, genauso wie auch die Techniken des Kehlgesangs, bei denen die Individualität der Gesangsstimme zum Teil hinter einem rauen, archaischen Grollen verschwinden kann.
Musikalische, ästhetische, psychologische und philosophische Blickwinkel dienen dabei als Bezugsrahmen.

Gisbert Schürig
…experimentierte schon als Kind mit Klang, indem er das Tempo selbst aufgenommener Klaviertöne am Kassettenrekorder manipulierte und auf die Tonhöhen- und Klangfarbenveränderungen lauschte. Die erste Begegnung mit Obertongesang fand 1993 im Rahmen des Studiums (Hauptfach Gitarre) an der Hochschule für Musik zu Köln statt. 2003/4 war er Teilnehmer der ersten Jahresgruppe für Obertongesang von Wolfgang
Saus. Asiatischen Kehlgesang lernte er u. a. bei Hoosoo und Michael Ormiston. Als Oberton- und Kehlsänger sowie als Instrumentalist mit Gitarre und Musikelektronik ist er in verschiedenen musikalischen Bereichen tätig: Musik für Tanz, Theater und Film, Veröffentlichungen und Auftritte. Als Gitarrist der Formation Blotch ist er seit mehreren Jahren in Frauenkleidern auf der Bühne und sieht dies als festen Bestandteil seiner Performer-Identität.