Gisbert Schürig

Hier einige Ideen, die ich im Zuge der Arbeitsphase an der Musik für das Projekt Coronagrafien des Berliner Künstler*innen Kollektivs notiert habe – zunächst für die Arbeit in der Gruppe, aber ich möchte sie auch gerne teilen.

Ein Alphabet aus zwei Zeichen

für die Coronagrafien 2021

Ich beschäftige mich gerade mit den rhythmischen Ideen von Jaki Liebezeit.
Er hat ein System entwickelt, dass auf zwei Zeiteinheiten beruht:

kurz & lang

„kurz“ ist die halbe Dauer von „lang“
„lang“ ist die doppelte Dauer von „kurz“

Das Verhältnis ist also 1/2.

Mit diesen Grundbausteinen lässt sich viel anstellen – ich verstehe es als eine Art Werkzeug, um miteinander in Beziehung zu treten, Relationen herzustellen.

Aus der Ferne mit einander in Beziehung zu bleiben ist ja in Zeiten von Corona ganz wesentlich, daher denke ich ist es vielversprechend so einen Morsecode zusammen zu erkunden.

Nachrichten an die Coronagrafen

Mit den zwei Zeichen lassen sich „Sätze“ bilden, anhand derer man sich aufeinander beziehen kann.

Mein Vorschlag:

kurz-lang-kurz-kurz

oder, knapper formuliert:

._..

Anwendungen

Dieser „Satz“ kann als ein Rhythmus gelesen werden:

Oder als räumliche Konstellation, gelesen von links nach rechts:

Oder im Kreis gelesen, beginnend bei 12 Uhr:

Solche räumlichen Muster könnten choreografische Konstellationen im Raum inspirieren.

Der “Satz” kann verschoben überlagert werden, wie ein Kanon:

Und der “Satz” kann skaliert werden, also halb so schnell oder doppelt so schnell gespielt bzw. getanzt werden:

Beide Prozesse kombiniert könnte z. B. so klingen:

Oder, mit Percussion- und Schlagzeugklängen:

Hier kann man – ein bisschen – sehen, wie der “Satz” – kurz-lang-kurz-kurz – zum Generieren von Musik dienen kann. Zunächst ist nur das “Zahnrad” oben links “angeschaltet” & wird weiter unten modifiziert, dann kommt auch das “Zahnrad” daneben zum Einsatz, doppelt so schnell und verschoben:

Praktisches

Percussionist Eren hat vorgeschlagen, sich diese Dauern in Silben zu übersetzen, eine gute Idee. Das könnte z. B. so aussehen:

._.. = Ta Ki (ta) Ta Ki

Die lange Dauer wird hier mit zwei Silben gefüllt, ein deutliches Ki sowie ein unauffälligeres ta.

Schlagzeuger Jaki Liebezeit hat die lange Dauer ebenfalls mit zwei kürzeren Schlägen ausgefüllt, beide mit der gleichen Hand, der zweite Schlag immer leiser als der erste.

Im Tanz gäbe es natürlich die Möglichkeit, das jeweils längeren oder kürzeren Bewegungen zuzuordnen.

Rhythmus als Miteinander & Bezugnahme

Mit den technischen Mitteln, die wir nutzen, um über Distanz in Kontakt zu bleiben: Mail, Messenger, Zoom… sind genau diese einfachen rhythmischen Möglichkeiten, Gemeinsamkeit herzustellen indem man sich auf ein Tempo, einen Puls einschwingt, nicht möglich. Da kommt die Latenz der Geräte dazwischen.

Auch diese Unmöglichkeit ist ein interessantes Forschungsfeld.

About the Author -

Leave A Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *